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Urplötzlicher Fachkräftemangel?

Spannend – und plötzlich haben wir Fachkräftemangel. Natürlich gibt es tausende Gründe, die dazu führen, natürlich aber ist man, wie immer, nie selbst dafür verantwortlich.

Es scheint die Stimmung zu herrschen, dass man alles von überall her beschaffen kann, auch Fachleute. Leider Nein – Ein weltweiter Import dieser Skills ist weder gewollt noch möglich, denn die Besten brauchen die anderen auch sehr gerne selbst.

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KOLUMNE - Uuuupps! Urplötzlicher Fachkräftemangel?

Spannend – und plötzlich haben wir Fachkräftemangel – Natürlich gibt es tausende Gründe, die dazu führen, natürlich aber ist man, wie immer, nie selbst dafür verantwortlich. Dinge, die man heute einfach erwartet, sind folgende:

  • Weil man keine Mitarbeiter mehr ausbildet, sondern erwartet, dass einem die gebratenen Tauben in den Mund fliegen – Schmarotzen auf Kosten der anderen sozusagen.
  • Weil man nicht bereit ist zu zahlen, was ehrliche und fachmännische Arbeit heute kostet, sondern immer nach der günstigsten Möglichkeit trachtet.
  • Weil man ganz einfach die soziale Rolle der Unternehmen nicht mehr anerkennt. Me, Myself and I, scheinen wichtiger zu sein als alles andere.

Es scheint die Stimmung zu herrschen, dass man alles von überall her beschaffen kann, auch Fachleute. Leider Nein – Ein weltweiter Import dieser Skills ist weder gewollt noch möglich, denn die Besten brauchen die anderen auch sehr gerne selbst. Die geben sie nicht kampflos her. Und die Zahlen lassen es auch bei den Lehrlingen vermuten. Die Anzahl der Lehrstellen scheint mehr oder weniger stabil zu sein. Die unterzeichneten Verträge wachsen leicht. Viele der Lehrstellen sind und bleiben unbesetzt, und die Zahl der Bewerber nimmt zusehends ab.

Die ICT-Fachkräftesituation sagt in Ihrer Bedarfsprognose für 2030, dass uns rund 40.000 Fachkräfte in der Schweiz fehlen werden. Wollte man den Fachkräftemangel auf 2030 lindern, so müsste man es mittlerweile auch an den Lehrstellen sehen können. Es müssten mehr ausgeschrieben oder zu mindestens mehr Lehrstellen besetzt werden. Aktuelle Zahlen sind schwer zu bekommen, aber 2020/21 hat es jedenfalls bisher nicht danach ausgesehen. Mehr Lehrstellen auszuschreiben oder auch zu besetzen, bessere Löhne zu zahlen oder ältere Arbeitskräfte wieder zu integrieren wären dabei nur einige der guten Lösungen.

Wenn man das so liest, so ist ein Schelm, wer NICHT Böses denkt. Es könnte gut sein, dass die Betriebe unsere Jugend gar nicht mehr erreichen. Längst zeigt die neue Generation, wie man ein Leben auch noch gut gestalten kann in dieser digitalisierten Zeit. Dürfen Sie das? Wir Arbeitgeber sind doch gar nicht bereit dafür! Oder so eine zweite freche Interpretation meinerseits: Unverbindlichkeit und Cherry-Picking tut sich breit. Ersteres fällt mir aber deutlich schwerer zu glauben.

Aber wenn die Leute nicht existieren oder kaum zu bekommen sind? Warum dann nicht ausbilden? Ja, das ist nicht einfach, aber Meister fallen halt nicht einfach vom Himmel. Da muss man schon etwas tun. Und in 3 Wochen sind sie auch nicht pfannenfertig, sondern eher erst in 3-4 Jahren.

Also wäre es doch mal an der Zeit, damit zu beginnen. Das gälte sowohl Mitarbeiter als auch Lehrlinge. Und klar, wenn der Prophet halt nicht zum Berg kommt, so muss der Berg halt zu Propheten. Liebe Fachkräftemangelnde, macht Euch echt darauf gefasst, dass Ihr Euch bald um Personal bewerben müsst und nicht umgekehrt. Und wenn Ihr dann die Bewerbung schreibt, stellt ihr dann relativ schnell fest, was zum attraktiven und modernen Arbeitgeber fehlt. Spätestens nach der 20. Absage wird es Euch klar werden.

Ich bin mir auch nicht sicher, ob die aktuellen Entwicklungen, sprich Künstliche Intelligenz, die Situation noch zu drehen vermögen. Gemeint ist, fehlende Arbeitskräfte durch KI zu ersetzen. Die geschichtliche Vergangenheit zeigt, dass nach solchen Revolutionen immer mehr Leute im Arbeitsmarkt Anstellung fanden als vorher. Warum sollte das nun heute anders sein? Nur weil wir nicht die Muskelkraft, sondern die Geisteskraft ersetzen? Oder einfach gesagt: KI dürfte das Fachkräfte-Problem noch weiter verschärfen.

Aber da war ja noch was. Wir hatten angeblich vorher bereits zu wenig Leute … Uuuups. Keine Angst, wir Fachkräfte werden wissen, was unsere Arbeit wert ist. Die Arbeitskräfte weltweit werden es erkennen. Also: Es gibt keine Alternative zur Ausbildung. Es gibt auch keine Alternative dazu, schwächere Arbeitsmarktteilnehmer wieder zu integrieren. Aber dazu muss man halt mit diesen Personen zusammen einen Weg gehen. Und ja, wenn ich Menschen ausbilde, so rennen die gelegentlich nach der Ausbildung weg. Klar. Im Einzelfall ist dies nicht angenehm. Volkswirtschaftlich gesehen aber eher vernachlässigbar.

Eines noch – Zählt mal nicht auf die ältere Generation. Die Art, wie man uns teilweise abserviert hat, damals mit 50 oder 55 Jahren, spricht eher dafür, dass wir genug von solchen Arbeitgebern haben. Zumindest wenn wir jetzt über 62 oder 65 Jahre sind. Eigentlich sind wir noch fit und leistungsfähig, manch einer möchte seine „Fachkraft“ halt dann eher dazu nutzen, selbst etwas zu verdienen und Euch Konkurrenz zu machen. Einfach, weil es Spass macht und guttut …

Ihr seht, Generation Y und Z und HR-Fachleute. Ihr habt einiges verbockt in den letzten Jahren, denke ich. Ihr habt es verbockt mit Generation X und den Babyboomern, und Ihr seid auf dem besten Wege, auch die Generation Alpha zu verprellen. Ja, ich weiss, meine Meinung ist nicht angenehm, und ja, es trifft nicht alle. Einige Unternehmen und HR-Verantwortliche haben hier die höchsten Ansprüche und machen es super. Aber auch sie leiden solidarhaftend und ungerechterweise auch unter den Management-Windhunden und den Tieffliegern in unserer Solidargemeinschaft.

Erschienen im ITReseller ...

ITReseller ist eine Nachrichten- und Analyseplattform für die IT- und CE-Branche in der Schweiz. Sie bietet Informationen zu Unternehmensmeldungen, Branchentrends und Partnerprogrammen. Dazu gehört auch eine regelmässige Kolumne …